TVR Tasmin, 350i, 390SE und 420/450SEAC

TVR baute mit dem Grantura ab 1958 √ľber zwei Jahrzehnte relativ gleich aussehende Sportwagen¬†(Vixen ab 1967, M-Serie ab 1972).¬†Jetzt hatte sich die automobile Welt allerdings ge√§ndert. Lamborghini Countach und Lotus Esprit l√§uteten eine neue √Ąra in der¬†automobilen Formensprache ein – kantige, eckige Karosserie¬†und Klappscheinwerfer hielten Einzug im Automobilbau. ¬†¬†¬†¬†
In den sp√§ten 1970er Jahren wurde es zudem f√ľr die klassisch geformten TVR immer schwieriger Abnehmer zu finden. Im Jahr 1980 beendete TVR schlie√ülich die Fertigung der M-Serie und ersetzte diese durch ein markantes neues Auto namens Tasmin. Seine modische Keilform wurde von Ex-Lotus Designer Oliver Winterbottom entworfen, kein Wunder auch, dass der Tasmin dem Lotus Eclat und Excel sehr √§hnelte. Leider konnte das aufregende exotische √Ąu√üere nicht √ľber den etwas schwachen Ford 2.8-Liter V6-Motor hinweg t√§uschen und so konnte der Tasmin bei den Sportwagen-Testern nicht ganz √ľberzeugen.

Im Jahr 1983 reagierte TVR auf diese Kritik und spendierte dem Tasmin den 3,5 Liter-V8 aus dem Rover SD1. Fortan hie√ü der Tasmin jetzt 350i. Der neue Motor leistete zun√§chst 190 PS (197 PS ab 1985) und ein Drehmoment von 289 Nm. Seine Laufruhe und Durchzugskraft verbesserten das Fahrerlebnis drastisch. Die Performance des 350i lag nun auf dem Niveau eines Lotus Esprit S3 und Porsche 924 Turbo ‚Äď 225 km/h Stunde H√∂chstgeschwindigkeit und 6,5 Sekunden von 0 auf 100 ‚Äď bei deutliche geringerem Einstiegspreis eine ernst zu nehmende Konkurrenz.
    
Wie in der vorangehende M-Serie verwendete TVR wieder einen Gitterrohrrahmen, jetzt mit st√§rkeren Rohren und einem 10cm l√§ngeren Radstand. Die vordere Aufh√§ngung mit Doppel-Querlenkern war weitestgehend von Ford Cortina √ľbernommen, die hintere Aufh√§ngung mit unteren Querlenkern und den Antriebswellen als obere Querlenker¬†und innenliegenden Scheibenbremsen best√ľckt. Das Getriebe und Differential stammten von Rover und Jaguar, w√§hrend die Lenkung wiederum von Ford kam.

Der 350i wurde von den Testern f√ľr sein steifes Chassis, die ausgewogene Stra√üenlage, die gute Gewichtsverteilung und die zielgenaue Lenkung gelobt. Gleichwohl gab es auch Tadel: Die Lenkung schlug auf unebenen Stra√üen gerne etwas zur√ľck und das Fahrwerke w√§re zu hart ‚Äď keine wirkliche √úberraschung f√ľr einen TVR. √úberraschender war dann schon der Innenraum, ziemlich luxuri√∂s mit polierten Holzblenden, Lederpolstern und bequemen Sitzen. Das Soft-Top war auch sehr gut konstruiert und auch sehr einfach zu bedienen. Kaum Flattern und Resonanzen bis zu einer Geschwindigkeit von 180 km/h. Keine √úberraschung also, dass sich die meisten Kunden f√ľr den Roadster entschieden.
Im kommenden Jahr hatte TVR als die leistungsst√§rkere Variante den 390SE eingef√ľhrt.¬†Der 3,5 Liter V8 wurde auf 3905 ccm aufgebohrt und mit leichten Cosworth-Kolben, Hochhub-Nockenwelle, h√∂herem Verdichtungsverh√§ltnis und leichteremSchwungrad best√ľckt. Die Leistung wuchs damit auf 275 PS und 350 Nm. Die hintere Aufh√§ngung wurde ge√§ndert, um den Geradeauslauf zu verbessern, w√§hrend 225er Reifen die kleineren 205er ersetzten, um mehr Grip zu bieten. 1988 wurde der Motor auf 3948 ccm vergr√∂√üert und das Modell hie√ü jetzt 400SE.

Noch exotischer war der 420SEAC – sein Name steht f√ľr Special Equipment Aramid Composite. Die Karosserie wurde durch die Kombination von Kevlar und Kohlefaser hergestellt und sparte dadurch 90 kg ein. Der vordere √úberhang wurde verk√ľrzt und leicht modifiziert, verbreiterte Radh√§user und Seitenschweller, sowie ein etwas seltsam anmutender Heckspoiler zierten die Karosserie. Der Hubraum wuchs dank der gr√∂√üeren Cosworth-Kolben und einer einteiligen, ge√§nderten Stahlkurbelwelle auf 4228 ccm.

Die Leistung wurde mit 300 PS und 390 Nm angegeben, diesmal realistische Angaben, da das Magazin Fast Lane in einem Vergleichstest einen 911 Turbo mit dem 420SEAC schlug: 4,7 Sekunden von 0 auf 100, bzw. 12,3 Sekunden von 0 auf 160 km/h. Die von TVR angegebene H√∂chstgeschwindigkeit von 265 km/h wurde allerdings nicht best√§tigt. Der 420SEAC war gleichzeitig sehr leichtgewichtig und auch sehr leistungsstark, erinnerte wieder stark an die klassischen Griffith und Tuscan mit Ford V8-Motoren der 60er Jahre. Jedoch war sein Preis zu jener Zeit von ¬£ 30.000 ‚Äď das doppelte eines 350i und so teuer wie ein 911 Carrera – vermutlich zu viel f√ľr einen TVR.

Noch seltener war der 450SEAC. Grunds√§tzlich gleich zum 420SEAC, nur mit gr√∂√üerem Hubraum von 4441 ccm, was laut TVR zu 324 PS und 420 Nm Drehmoment f√ľhrten. Er sollte noch etwas schneller wie der 420SEAC sein, aber es gab seinerzeit keinen wirklichen Test, der dies best√§tigen konnte.
    

Die Wedge-Reihe √ľberlebte bis 1991, bis sie durch den neuen Griffith und die Chimaera ersetzt wurde. Sie bleiben als Stil-Ikonen der achtziger Jahre des britischen Sportwagenbaus in Erinnerung. Insgesamt wurden 2615 Fahrzeuge dieser Reihe gebaut, wovon bei 1387 Fahrzeugen ein V8-Herz schl√§gt.

 

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