Bornholm, die Krölle-Bölles, Classic Cars und ein TVR

Bornholm, die Krölle-Bölles, Classic Cars und ein TVR

Bornholm, was? Eine Dänische Insel! Und wo? Natürlich in der Ostsee! Geht`s etwas genauer? Ziemlich weit östlich von Dänemark und dicht an Schweden. Südlich von Ystad liegt sie. Und wie kommt man da hin?  Mit Fähren von Dänemark, Schweden (Ystad), Polen und Deutschland (Sassnitz / Rügen) nach Rönne, der Hauptstadt Bornholms. Geht´s auch mit dem Flieger? Ja, aber nicht immer. Ist abhängig vom Wetter und der Jahreszeit.

Vom Wetter weiß ich ein Lied zu singen. Wollten nämlich (meine Frau und ich) 2011 von Hamburg über Kopenhagen nach Bornholm fliegen, im April. Sind heftig über Bornholm gekreist und konnten wegen Nebel nicht landen.
Und dann?  Dann ging`s wieder zurück nach Kopenhagen.
Und da dann erst mal übernachtet? Nichts da! Gott sei Dank ist Dänemark verkehrsmäßig so gut vernetzt, sodass wir vom Airport Kopenhagen den Zug nach Ystad/Schweden nehmen konnten. Von da ging`s mit der Katamaran-Fähre nach Rönne und von dort mit dem Bus zu unserem Ferienhaus (natürlich erst nachts angekommen).

Dieses mal (Ende September 2014) ging´s mit dem TVR V8S von Hamburg nach Sassnitz zum Fähranleger (dessen ganzes Umfeld an die schlimmsten DDR-Zeiten erinnert). Die Bornholmer, die das erste mal hier ankommen, erleben wahrscheinlich ihren schlimmsten Kulturschock.

Bornholm ist wunderschön und vielfältig durch die unterschiedlichen geologischen Formationen. Der Norden ist typisch schwedisch mit seinen Granit- und Gneisformationen, da er zum skandinavischen Urkontinent gehört. Der Rest der Insel 0_Krölle Böllegehört zum nordeuropäischen Tiefland. Anhand von Gesprächen mit Deutschen Fährgästen bekommt man schnell mit, dass fast ausschließlich Mehrfachtäter unterwegs sind; d.h., sie fahren mehrfach in ihren Leben auf diese Insel und z.T. mehrmals im Jahr. Was ist das Markanteste auf der Insel? Das sind die Krölle Bölles, die Unterirdischen dieser Insel, die immer dann zum Vorschein kommen und ihren Schabernack verbreiten, wenn man sie nicht erwartet.
Näheres hierrüber erfährt man am besten von Sössan Nielsen. In ihrem Buch „Paradies Bornholm“ berichtet sie in einem wunderschönen Kauderwelsch aus Bornholmsk und Deutsch über die Geschichte Bornholms, nennt Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten dieser Insel.

Dass die Krölle Bölles ganz unterschiedlich in Erscheinung treten können, hab ich am eigenen Leib erfahren, wie die folgenden beiden Fotos beweisen.
1_Krölle Bölles als Wurzelwerk getarnt
<– Krölle Bölles als Wurzelwerk getarnt


2_Drei Krölle Bölles

 

 

Drei Krölle Bölles, die durch den Sound des V8 S aus dem Untergrund hervorgelockt worden sind. Sie waren allerdings sehr friedlich, haben alles heil gelassen. –>

Neben historischen Hünengräbern von vor 5.000 Jahren, Felsenritzungen aus der Bronze-Zeit (1.700 – 500 v. Chr.), Rundkirchen, die mit ihre meterdicken Mauern der Verteidigung dienten (ca. 1150 – 1250), gibt es auch viereckige Versionen auf Bornholm. Fast alle sind weiß gestrichen.

3_Polvlskirke nähe Frigard

<– Polvlskirke nähe Frigard

Bornholm hat noch viele historische Mühlen zu bieten, die z. T. noch im Einsatz sind.

4_Holländische Windmühle nahe Pedersker     <– Holländische Windmühle nahe Pedersker

Hat man, außer an historischen Gebäuden und Einrichtungen, auch Interesse an historischen Autos, so ist man auf Bornholm gut aufgehoben, nämlich im „Bornholms Automobil-Museum“ 5_Bornholms Bilmuseumin Aakirkeby. Hier reicht die Palette von Belsize, Alvis, Delahaye, Singer, Riely bis hin zum Jaguar E-Type.
Wer an Motorrädern, Treckern, Maschinen, Grammophonen und alten Dampf-Radios interessiert ist, kommt hier voll auf seine Kosten.

Aakirkeby ist übrigens die älteste Stadt Bornholms und die einzige, die nicht an der Küste liegt. Außerdem hat es die größte Kirche der Insel.

Einen heißen Tipp hatte ich auf der Fähre von einem netten Herrn erfahren, der meinen V8S bewunderte, ihn aber natürlich nicht zuordnen konnte. Er meinte, in Arsdale (an der West-Küste Bornholms) gäbe es in einer ehemaligen Fischräucher-Halle ein Sportwagen-und Oldie-Museum. Er selber gehe dort sehr häufig vorbei. Na, dachte ich mir, da meine Freunde ihr Ferienhaus im Süd/Westen der Insel haben, wohin sie mich für ein paar Tage eingeladen hatten, wird das ja wohl gleich um die Ecke sein. Da Bornholm eine Fläche von 558 km² hat, kann jeder Punkt der Insel an einem Vor- oder Nachmittag lässig erkundet werden.

Also ging´s am nächsten Morgen nach Arsdale. Nach ein bisschen Suchen und Nachfragen stand er dann vor uns: Finn Foxdal! Ein urwüchsiger Bornholmer, der mit seiner Statur und seiner ruhigen Sprechweise in akzeptablem Deutsch unheimlich positiv rüber kommt. Nachdem wir uns vorgestellt und unser Begehren vorgetragen hatten, öffnete Finn sein Garagentor.6_Finn Foxdal 1 7_Finn Foxdal 2

Wie sagte mein alter Herr früher immer wenn ihn etwas umhaute: O haua haua ha!
Tja, das kam mir jetzt auch über die Lippen beim Anblick der Schmuckstücke, die wir da zu Gesicht bekamen:
Ein Jaguar E V 12 von 1973,  ein Jaguar XK 150 S 3,8 L von 1959, ein AC Copra Replica von 2005, der aus einer Shelby-Garage in Süd-Afrika stammt; alle im Zustand 1 plus würde ich sagen. Im Hintergrund stehen noch 2 Jubiläums-Harleys.

8_Finn Foxdal 3

Die Shelby-Cobra ist eine 9_Finn Foxdal 4Sonderanfertigung. Der Motor ist für die 50/50% Lastverteilung so weit nach hinten gerückt, daß der Schaltknauf durch einen horizontal nach vorn verlängerten Schalthebel die Hand des Fahrers trifft. Somit wird die horizontale H-Schaltung in die Vertikale verlegt. Finn meint, nach gewisser Eingewöhnungszeit kommt man gut klar damit.
Alle Fahrzeuge werden von Finn in der Sommerzeit nacheinander bewegt.

Ich hatte meinen V8S bescheiden am Hafen von Arsdale geparkt; denn eine Zugehörigkeit zu Finn´s Schmuckstücken war nicht erkennbar.  Aber, zu mir paßt mein TVR eher, als einer von Finns Edelkarossen, finde ich! Hinter dem roten Gebäude oberhalb vom TVR erlebten wir dann eine weitere Überraschung, die uns Finn bereitete.10_V8S am Hafen von Arsdale

Nachdem wir Finn Foxdal´s Schätze in seiner piekfeinen Garage ausgiebig bewundern durften und gefachsimpelt hatten, führte er uns 100 m weiter an ein Tor zu einer alten Fischräucher-Halle. Alles ringsum recht unscheinbar! Die Überraschung beim Tor-Öffnen war für uns nicht geringer, als bei seiner Spezial-Garagen-Tor-Öffnung vorher.

11_Finn Foxdals Garage 1Wie Perlen an der Kette waren aufgereiht, amerikanische Oldies aus den 20er und 30er Jahren (Ford, Chevrolet und Buick).

Bis auf  einen MG-C und einem weiteren Oldie alles in Besitz von Finn Foxdal.

 

12_Finn Foxdals Garage 2

Hinzu gesellten sich noch ein MG-A (Zustand 1 plus), der es meinem Freund Mike besonders angetan hatte. Die Euphorie wurde später im Ferienhaus heftig gebremst, da Chefin im Ring lieber mit ´nem SUV als mit so einer tiefen Flunder unterwegs sein möchte. Tja, so werden Männerträume ausgebremst.

Ein Jaguar und ein Chevrolet-Corvette aus den 70ern waren unscheinbar in die Ecke gedrängt worden.

13_Finn Foxdals Garage 3Der Ford-A, vor dem Finn steht, hatte seinem Schwiegervater gehört. Dieser Schwiegervater hatte in seinem ganzen Leben nur dieses einzige Fahrzeug besessen, das er 20 Jahre lang gefahren hatte.

Ich kann mich noch gut an die 60er Jahre erinnern. Ich durfte mit neuem Führerschein und unserem neuem VW-Käfer (der alte war 1962 bei der Flut in Hamburg abgesoffen) nach Hennestrand, an die dänische Nordsee-Küste fahren, einer Hochburg der Hamburger Feriengäste. Was mir damals auffiel, war zum einen die Abneigung der Dänen den Deutschen gegenüber (aufgrund der 3. Reich-Vergangenheit) und die vielen Oldies, die sich damals auf der Straße tummelten. Der Grund war: neue Fahrzeuge wurden damals dermaßen hoch besteuert, daß viele Dänen mit ihren alten Schätzchen durch die Gegend fahren mussten.

Dieser Umstand beschert den Dänen/Bornholmern das Glück, ziemlich viel von diesen Schnauferln ins neue Zeitalter gerettet zu haben. Bornholms Oldie-Besitzer sind im „Bornholms Motorveteraner Muleby“ im Clubhaus südlich von Hasle vereinigt.

Am Schluß unserer 2-stündigen Privat-Führung startete Finn einen seiner Schnauferl, um uns zu demonstrieren, wie gut die noch laufen. Nach einer Minute Warmlaufzeit schnurrte das Motörchen kaum hörbar und vibrationsarm. Das hatte ich von so einem Oldie nicht erwartet.

14_V8S vor der Rundkirche OlskirkeFinn gab mir noch ein Clubheft ihres Veteranenvereins mit. Ich versprach ihm, es zu kopieren und wieder zurück zu schicken, da er kein zweites Exemplar dieses Jahrgangs hatte. Außerdem versprach ich ihm, ein Exemplar unserer TVR-info zukommen zu lassen, falls mein Beitrag erscheinen würde.

In der Mitte des nördlichen Bornholms fuhren wir zur Rundkirche „Olskirke“ bei Olsker; eine typische weiße wehrhafte Rundkirche, wie man sie in allen Prospekte findet.

Von unserem Aufenthalt 2011 auf Bornholm wußte ich, daß auf dem Weg zwischen Olsker und Hammerhus  auf einer Lichtung in einem Waldstück Steinplastiken von dem Künstler Ole Christensen frei und jedermann zugänglich platziert sind. Wir hatten diese Stelle durch Zufall entdeckt. Die wollte ich jetzt wieder anlaufen. Da wir damals aber zu Fuß von Hammerhus nach Olsker unterwegs waren, hatten wir natürlich Wanderwege genutzt. Erst aufgrund einheimischer Hinweise fand ich die Orientierung wieder. Über das Problem der ausschließlichen Nutzung der Zuwegung für Wanderer und Radfahrer zum Platz meiner Begierde sah ich ein wenig hinweg; schließlich war nur so die Symbiose zwischen Ole Christensens Kunstwerke und dem TVR V8S möglich.

15_V8S und Ole Christensen Plastik 1Ole Christensen (1932 – 2000) ist in ganz Dänemark für seine Plastiken, außer in Stein auch in Holz, Bronze und Keramik bekannt.

Sein Werk wurde fortgesetzt von dem Japaner Jun-Ichi Inoue, den Ole Christensen nach Bornholm gelockt hatte.

16_V8S und Ole Christensen Plastik 1

 

Wie das Schicksal es so will, hatte der dann Oles Tochter geheiratet. Somit war künstlerisches Schaffen und Wohnen in exponierter Lage gleich neben der Ausstellungs-Wiese garantiert. Leider verstarb Jun-Ichi Inoue im Jahre 2012, sodaß Oles Tochter Marie die Werke weiterhin betreut und pflegt.

Auf Schleichwegen ging´s dann nach Hammershus, dem nördlichen Zipfel Bornholms, westlich 72 m über dem Meer gelegen. Auch als Burg-Ruine ist sie noch eine stattlich Erscheinung. Sie entstand vermutlich im frühen Mittelalter. Auf jeden Fall herrschten von hier aus ab 1255 die Statthalter der Erzbischöfe von Lund in Schweden.

17_V8S vor Burgruine.jpg bei HammershusDie Burg wechselte mehrmals den Besitzer. Neben Schweden und Dänen war sie auch einmal im Besitz der Lübecker Hanseaten.

Wieder sehr amüsant erfährt man durch Klatsch- und Tratscht in  Sossan Nielsens „Paradies Bornholm“ was der Tochter des dänischen Königs Christian IV. Leonora Christina mit ihrem Gemahl Corfitz im 17ten Jahrhundert auf und um diese Burg herum alles widerfahren ist.

18_V8S in Sandwig-AllingeDadurch, daß der Parkplatz außerhalb der Burg gelegen ist, bringt ein kleiner Fußmarsch den Kreislauf in Erregung.

Gelegenheiten sich die Beine sich zu vertreten gibt es auch reichlich auf dem Weg nach Sandwig/Allinge, einer zusammengewachsene Hafensiedlung.

Hier hat man Gelegenheit, den Badestrand zu nutzen oder Wandertouren zu unternehmen zum Leuchtturm Hammer Fyr, zur Ruine der Salomons-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert oder zur Steilküste mit Blick auf die Burgruine Hammershus.

19_Ruine der Salomons KapelleRuine der Salomons Kapelle

20_V8S im Hafen von Allinge

 

Der Hafen von Allinge beherbergt außer der Lotsen-Station im Sommer viele Boote von Freizeit-Kapitänen.

Was macht die Insel für viele deutschen Urlauber und zunehmend auch polnische so interessant?

Es ist wohl die Vielfältigkeit der Insel im Freizeit-Angebot: Im Sommer für kinderreiche Familien die wunderbaren Strände, das zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet Dänemarks, Heideflächen, Freizeitparks, Museen und Unterkünfte in allen Größen. Hinzu kommt, daß das Wetter oftmals besser ist, als auf dem Festland. Oder, falls es am Vormittag mal regnet, ist es am Nachmittag schon wieder schön.

21_Bockmühle bei Melstad

 

Die gute Infrastruktur bietet für jede Art der Mobilität die besten Voraussetzungen, ob man zu Fuß unterwegs ist, mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem PKW.

Außer den Holländischen Windmühlen, von denen es insgesamt 13 gibt, findet man noch je drei Wassermühlen und Bockmühlen. Die älteste dieser Mühlen, aus dem Jahr 1630, steht in Svaneke.

Bockmühle bei Melsted –>

22_Auf Wiedersehen

 

 

 

 

<– Wassermühle in Slusegard  (Süd-West)

 

Mit ca. 600.000 Touristen im Jahr bei 43.000 Einwohnern sind die Bornholmer froh, wenn sie die Insel von Ende Herbst bis Frühlingsanfang wieder für sich haben.

Mathias Boschke

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