Der TVR Cerbera wird 25!


Der Cerbera wurde nach einem mythischen griechischen dreiköpfigen Hund benannt, der die Tore des Hades bewachte – mit zwei leistungsstarken V8- und mit Reihen-Sechszylinder in Leichtbauweise, scharfer Fahrwerksabstimmung, blitzschneller Lenkung und dem völligen Fehlen elektronischer Fahrhilfen war der Name nicht ganz unpassend.Das dritte Modell, das während der Peter Wheeler-Ă„ra 1981 bis 2004 eingefĂĽhrt wurde, war der Cerbera. Er war der erste TVR, der die selbstentwickelten und -gebauten V8-(AJP8)-Motoren verwendete und mit etablierten Unternehmens-Designthemen wie rohe, ungezĂĽgelte Kraft und aggressivem, völlig eigenständigem Styling, TVR zu neuen HöhenflĂĽgen fĂĽhrte.

Während wir uns einem Vierteljahrhundert seit seinem Debüt 1996 nähern, beeindruckt der Cerbera immer noch mit wirklich schockierender Leistung und Optik. Und dann ist da noch das wilde 2+2-Interieur und seine schwirrenden, organischen Formen mit vollaluminium-Bedienknöpfen und -Hebeln. Sechs- oder Achtzylinder, beide klingen fantastisch und genau wie im Neuzustand bleibt der Einstiegspreis angesichts der Leistung, der Form und der Fahreigenschaften dieses Modells, überraschend erschwinglich.

Drive at 25: TVR Cerbera
Hier ein Werbebild TVRs aus den 90ern:der Cerbera flankiert von Chimaera rechts und Griffith links

Das Styling lehnte sich eng an das der Chimaera an, obwohl irgendwie das zusätzliche Dach das Design doppelt so exotisch aussehen ließ. Der Tradition folgend bestand die Karosserie aus Fiberglas über einem Rohrrahmen-Chassis mit Doppelquerlenkern an jeder Ecke.

Drive at 25: TVR Cerbera

Ein Druck auf einen versteckten Türentriegelungsknopf (unter den Außenspiegeln) enthüllte das Innere des Cerbera, dessen zahlreiche, mit Strebepfeilern versehene, fast wie vom Wind geformte Komponenten des Armaturenbretts, der Mittelkonsole und des Kombiinstruments vollständig mit Leder überzogen waren. Sichtbare Kunststoffe wurden auf ein absolutes Minimum beschränkt und jedes einzelne Stück der Schaltanlage bis hin zu dem an der Lenksäule montierten Zusatzinstrumenten-Träger wurde aus von TVR in Form gefrästem Aluminium hergestellt.

Drive at 25: TVR Cerbera

Straff gefedert, aber dennoch durch den langen Radstand bestens für Touren geeignet und auch auf kurvigen Landstraßen sorgte die kurz und direkt übersetzte Lenkung mit 2,0 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag für zügiges Vorankommen. Das fein zu dosierende Gaspedal half dabei, die knapp 1,2 Tonnen mit bis zu 450 PS, je nach gewählter Motorisierung, auch ohne Traktionskontrolle in Zaum zu halten.

Drive at 25: TVR Cerbera

Der Cerbera befand sich noch in der Entwicklung, als BMW 1994 Rover übernahm. Die TVR-Geschäftsführung reagierte mit Besorgnis darüber. War die künftige Lieferung des Buick -basierten, in Großbritannien gebauten Rover-V8 gesichert? Wheeler wollte keine „deutschen“ Motoren verbauen und entschied, den neuen von TVR selbst entwickelten AJP8 (die Initialen wurden für die führenden Konstrukteure Al Melling, John Ravenscroft und Peter Wheeler gewählt) in der Cerbera einzubauen.

Drive at 25: TVR Cerbera

Der neue Motor, der als SpeedEight vermarktet wurde, lieferte 360 PS und ein Drehmoment von 434 Nm. Ab 1999 wurde der SpeedEight als 4,5 Liter-Version produziert. Dieser lieferte stolze 420 PS und ein Drehmoment von 515 Nm, die RedRose-Version sogar 450 PS. Später folgte dann auch der SpeedSix, eine weitere Eigenentwicklung TVRs, bei dem jedoch zwei obenliegende Nocken und vier Ventile pro Zylinder verwendet wurden, im Gegensatz zu den Zwei-Ventil-Köpfen bei den SpeedEights. Dieser Reihen-Sechszylinder leistete 360 PS und 420 Nm.

Drive at 25: TVR Cerbera

Sogar der Cerbera mit dem „keinen“ SpeedSix war für unter 5 Sekunden auf 100km/h gut. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit 290 km/h angegeben. Bei den SpeedEight-befeuerten Cerbera waren die Leistungsangaben höher angesetzt. Sie erreichten die 100er-Marke bereits in 4,2, 4,1 oder 3,9 Sekunden (4,2, 4,5, 4,5 RedRose) und wurden mit einer Höchstgeschwindigkeit zwischen 298 und 312 km/h angegeben. Das obige Bild zeigt einen 7730-ccm-SpeedTwelve-Motor, der für den auf Cerbera basierenden Prototypen desselben Namens entwickelt wurde. Es handelt sich im Wesentlichen um zwei SpeedSix-Motoren, die sich eine gemeinsame Kurbelwelle teilen. Wäre er in Produktion gegangen, hätte der SpeedTwelve mehr als 900 PS leisten und damit eine höhere Leistung als der McLaren F1 erbringen können.

Drive at 25: TVR Cerbera

Der Cerbera wurde fĂĽr das Modelljahr 2000 einem Facelift unterzogen, wobei die Scheinwerfer-Partie nun dem des Tuscan ähnlich sah. Diese Aufnahme des Seitenprofils demonstriert die unverschämten Proportionen des Cerbera, die glĂĽcklicherweise ĂĽber die gesamte Produktionszeit von 1996 bis 2003 weitgehend unverändert blieben. Jeremy Clarkson bezeichnet den Cerbera im folgenden Video als „das lauteste, aufregendste und schnellste Auto diesseits eines Lamborghini Diablo“.

Vor den verworrenen Ereignissen, die zur Verkauf TVRs 2004 fĂĽhrten, wurde kaum ein TVR-StraĂźentest veröffentlicht, der nicht Fragen bezĂĽglich der Zuverlässigkeit der Autos aufwarf – trotz des hohen Lobes, das fĂĽr ihr Aussehen, ihre Leistung und ihre relative Erschwinglichkeit ausgesprochen wurde. Die meisten dieser Fragen zielten auf eine mangelnde Qualität der Fahrzeug-Elektrik ab, obwohl viele Besitzer darauf bestehen, dass die Probleme von der Presse ĂĽbertrieben dargestellt wurden. Unabhängig davon gibt es mehrere aktive TVR-Foren, auf die man sich stĂĽtzen kann, um Hilfe zu erhalten. Und es sind vollständige Ersatzchassis im OEM-Stil erhältlich, die einen weiteren potenziellen Problembereich beheben. Auch die VerfĂĽgbarkeit von Ersatzteilen ist nach wie vor gut.

Drive at 25: TVR Cerbera

Der bevorstehende Relaunch der Marke (mit einem Gordon-Murray-Coupé auf Gordon-Murray-Chassis mit Cosworth-Tuning und einem 500 PS starken Coyote 5.0-Motor namens Griffith) hat sicherlich ein erneutes Interesse an den früheren Fahrzeugen geweckt, so dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, sich mit dem Import von TVR-Modellen zu befassen. Die Preise liegen derzeit zwischen etwa 15.000 und 35.000 GBP.

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