Anleitung zum Versetzen des Sicherungskastens beim TVR Griffith

Wie fast jeder Griffith-Fahrer weiß ist die Erreichbarkeit des Sicherungskastens im Fahrzeug eine Katastrophe. Im Beifahrerfußraum muss erst die „Fußplatte“ herausgenommen werden, dann hat mach die Batterie vor sich und hinter der Batterie sitzt dann der Sicherungskasten, in dem auch diverse, aber nicht alle Relais stecken. Weitere Relais baumeln in einem wilden Kabelbaum einfach in der Gegend herum. Sicherungen zu wechseln oder gar eine tiefere Fehlersuche wird bei der Lage des Sicherungskastens zur Qual. Erst recht wenn es dunkel ist und regnet, dann man muss immer hierbei auf der Straße liegen bzw. neben dem Fahrzeug knien.

Im Rahmen anderer Recherchen stieß ich auf die englische Internetseite bertram-hill.com. Hier findet der Griffith-Fahrer unter dem Reiter „Technical“ viele Tipps und Optimierungsvorschläge zum Thema Kühlung, Heizung, Armaturenbrett und Elektrik. Anfangs dachte ich, dass die Seite einem Typen namens Bertram Hill gehört. Als ich ihn wg. einer Detailfrage kontaktierte kam heraus, dass er Paul Down heißt und sein Haus Bertram Hill heißt (warum auch immer). Und Paul hatte beschrieben und gut mit Bildern dokumentiert, wie er besagten Sicherungskasten aus den Tiefen des Beifahrerfußraums herausgeholt und in das Handschuhfach verlegt hat.
Da ich in elektrischen Dingen nicht ganz unbedarft bin, dachte ich mir, was Paul kann, kann ich auch. Der ausschlaggebendste Punkte das Projekt anzugehen war Pauls Aussage, dass der Kabelbaum lang genug ist und für die Verlegung nicht verlängert werden muss. Wäre dies nötig gewesen, dann hätte ich die Finger davon gelassen. Einen umfangreichen Kabelbaum zu verlängern wollte ich mir nicht antun. Zu groß ist die Gefahr, die Elektrik zu verschlechtern statt zu verbessern.

Einer der ersten Schritte war der Ausbau des Handschuhfaches. Eigentlich einfach. Bei mir war nur schon im Handschuhfach ein Killschalter durch den Vorbesitzer eingebaut worden, der nun entfernt werden musste. Und 25mm² Kupfer mit Stoßverbindern zu verpressen ist nicht einfach, da man dafür in der Regel nicht das richtige Werkzeug  besitzt. Gottseidank konnte ich in meiner Firma eine hydraulische Presse ausleihen, mit der das kein Problem war. Das erledigt wurde die Batterie bzw. der Batteriekasten (Verschraubung von der Fahrzeugunterseite ausgebaut). Dann hat man freien Blick auf den Sicherungskasten und plötzlich auch viel mehr Bewegungsfreiheit. Ich fand mehrere Sicherungen hinter der Batterie, da in mehr als 20 Jahren hinter den Batteriekasten gefallen waren.
Der Sicherungskasten und dessen GFK-Halterung ist schnell gelöst und man kann den Sicherungskasten nun gut nach vorne ziehen. Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo man den Sicherungskasten von oben (Sicherungs-/Relaisseite), vor allem aber auch von der Unterseite (Steckverbindungen) fotografiert. In allen Lagen, um möglichst viele Blickwinkel zu dokumentieren.
Auch eine handschriftliche Dokumentation wo welcher Stecker hin gehört ist äußerst sinnvoll. Die meisten Kombistecker sind in Größe, Farbe und Form nur einmal verwendet. U.U. macht es Sinn einzelne Kabel VOR dem Abziehen zu beschriften.
Es muss einfach sichergestellt werden, dass es beim Abstöpseln und späteren wieder Zusammenstecken nicht zu Vertauschungen kommt!

In die Rückwand des Handschuhfachs muss man nun mit einem Lochschneider oder einer Stichsäge ein Loch schneiden, durch das später der Kabelbaum durchgefädelt werden muss. Das Loch ist – auch wenn es nur Gfk ist – gut zu entgraten, um einen späteren Kabelbruch zu vermeiden. Wichtig auch, dass man den Kabelbaum oberhalb des dashboardseitigen Stegs Richtung Handschuhfach durchfädelt. Sonst muss man alles wieder auseinander bauen.

Es kann sein, dass hinter dem Handschuhdach senkrecht stehend der Überschlagssensor befestigt ist und dem dort vorbei geführten Kabelbaum im Weg ist. Ich habe den Überschlagssensor, der im (Un-) Falle eines Falles die Benzinpumpe unterbricht, in diesem Zusammenhang Richtung Batterie versetzt. Dies hat den Vorteil, dass man nun an den Sensor besser herankommt – ohne das Handschuhfach ausbauen zu müssen.
Wichtig: Die GummitĂĽlle des Sensors muss m. E. immer im eingebauten Zustand nach unten zeigen.

Nun muss ein Halter angefertigt werden, mit dem der Sicherungskasten im Handschuhfach befestigt wird. Ich habe hierfür 1mm dickes Aluminium verwendet. Das Material lässt sich sehr gut biegen, bohren und feilen. Alu hat zudem den Vorteil, dass man sich um Rost keine Sorgen machen muss.
Kleiner Hinweis: eine Halterung verkaufe ich gerade bei ebay.

Dann wird die Alu-Halterung an der innenliegenden Rückseite des Handschuhfachs befestigt, der Kabelbaum durch das Loch in das Handschuhfach gefädelt und nun das Handschuhfach wieder mit den Schrauben rechts und links im Armaturenträger verschraubt. Dies ist schon eine kleine Herausforderung, da man an die Schrauben aufgrund der Halterung nicht mehr so gut heran kommt. Aber es ist zu schaffen.

Jetzt nimmt man den Sicherungskasten, seine Dokumentation und steckt der Reihe nach wieder alle Stecker an die richtigen Punkte. Hierbei muss man darauf achten, dass die Kombistecker fest sitzen und (kaum hörbar) einrasten. Sollte man der Meinung sein, dass einzelne Steckerverbinder/Flachstecker zu locker sind, so tut man gut daran, die Steckkontakte mit einer Spitzzange etwas zusammen zu biegen.

Sind alle Steckverbindungen mit dem Sicherungskasten verbunden empfiehlt sich der Einbau der Batterie (nicht verpolen!) und ein Test aller Verbraucher im Fahrzeug.

Zum Schluss verschraubt man mit einer Schraube den Sicherungskasten mit dem Halter.

Es bleibt die Freude, dass man fĂĽr die Zukunft immer ohne Aufwand, ohne auf der StraĂźe zu liegen, ohne Taschenlampe an die Sicherungen und die (meisten) Relais kommt.

Im Rahmen der Verlegung des Sicherungskasten hatte ich mir auch vorgenommen, den wilden Relais-Kabelbaum (u. a. Main-Relay, Benzinpumpen-Relais und ggf. Relais einer Klimaanlage) zu ordnen und die Relais auf einen 4er Relaishalter zu stecken, den ich mir auf der Bremen Classic Motor Show besorgt hatte (gibt es aber auch auf ebay etc.). Hierbei muss für jedes Relais der Kombistecker geöffnet und die Kabel in den neuen Relaishalter gefädelt werden. Auch hier ist große Sorgfalt bei der Beschriftung / Dokumentation erforderlich. Ich dachte ich wäre sorgfältig, hatte aber dann doch einen Fehler eingebaut, dessen Lokalisation mich mehr als 2 Wochen Zeit gekostet hat. Rückblickend muss ich sagen, dass die „Ordnung“ der wilden Kabelbaums nicht zwingend notwendig war und der Nutzen begrenzt ist.

Ich hoffe hiermit den Einen oder die Andere zu inspirieren und Hand anzulegen….

GruĂź
Stefan Köhn


Sicherungskasten in den Tiefen des BeifahrerfuĂźraums


Dieses Bild zeigt den Sicherungskasten direkt vor dem Beifahrersitz. Die Leitungen sind lang genug


Der Sicherungskasten im ausgebauten Zustand mit allen Kabeln/Steckern


1. Version der Halterung (Mark1)


Anprobe des Halters (Mark1) mit dem Sicherungskasten

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