Zwischengas 10/2010 TVR 1947 bis 2012 – leichte britische Sportwagen für die Straße und Rennstrecke




Die Marke „TVR“ wurde 1947 von Trevor Wilkinson ursprünglich unter dem Namen „Trevcar Motors“ gegründet, änderte die Bezeichnung aber bereits 1954 zu TVR, eine Abwandlung von TreVoR’s Name.

Von Anfang an wurde nach dem Prinzip Polyester-Karosserie auf Stahlrohrrahmen-Chassis gearbeitet. Die Autos wurden oft in Bausatz-Form verkauft, um die hohen britischen Steuern zu umgehen. Diese Praxis wurde erst in den 70er-Jahren eingestellt, als die Regierung diese Gesetzeslücke stopfte.

Während der 50er- und 60er-Jahren wurden die TVRs durch verschiedene Vierzylinder-Motoren mit bis zu 100 PS angetrieben. Dabei griff man auf MG-, Ford- und Climax-Motoren zurück, ähnlich wie dies auch die Konkurrenz tat. Die Haupterzeugnisse dieser Ära waren der TVR Jomar und der TVR Grantura. Mit dem Grantura wurden erstmals größere Stückzahlen (einige hundert) erreicht. 1962 nahm man – mit mäßigem Erfolg – mit dem Grantura sogar an großen Langstreckenrennen in Sebring und Le Mans teil. TVR durchlief eine Reihe von finanziellen Krisen und änderte immer wieder den Namen.

Auf Basis des britischen Chassis des Grantura kreierte der amerikanische Autohändler Jack Griffith in den 60er-Jahren einen Special, indem er das Grantura-Chassis mit einem amerikanischen Achtzylinder-Motor (Ford 289) kombinierte. Das Fahrzeug wurde (TVR) Griffith genannt und war wegen seiner fast schon überirdischen Fahrleistungen ein großer Erfolg, insbesondere in den USA. Inzwischen hatte Trevor Wilkinson TVR 1962 verlassen, nach einigen Besitzerwechseln kam Martin Lilley 1965 ans Ruder.

Während der 60er- und 70er-Jahren änderte sich die Auswahl an Motoren, es kamen 6-Zylinder von Triumph und Ford (Essex V6) zum Einsatz. Die Chassis wurden länger und breiter, die Karosserien eleganter. In dieser Ära folgte der TVR Tuscan V8 dem Griffith und übernahm dabei dieselben Gene. Dem Grantura folgten die TVR Vixen (4-Zylinder) und schließlich die M-Serie mit den Modellen M, Taimar und 3000 S, dem ersten Cabriolet seit den 50er-Jahren. Die Stückzahlen stiegen. Zu Beginn der 80er-Jahre ersetzte der kantige Tasmin die klassisch geformte M-Serie.

Mitte der 80er-Jahre begann TVR unter der Führung des neuen Besitzers Peter Wheeler V8-Zylinder-Motoren von Rover einzusetzen. Diese Motoren wurden dabei immer stärker und größer, bis Anfang der 90er-Jahre mit dem 5.0-Liter mit rund 340 PS im neuen Griffith und Chimaera der Höhepunkt erreicht wurde.

In den 90er-Jahren wagte es TVR, einen eigenen Motor, AJP8 genannt, zu produzieren. Dieser war leicht und aus Allumnium und wurde durch die Herren Al Melling, John Ravenscroft und Peter Wheeler (daher AJP) konzipiert. Später kam ein 6-Zylinder-Derivat dazu, das auch unter dem Namen „Speed 6“ bekannt wurde.

Unter Peter Wheeler wurde eine reichhaltige Produktpalette entwickelt und recht erfolgreich vermarktet: S1 – S4, Griffith, Chimaera, Cerbera, Tamora, T350 und den neuen Tuscan. Das extremste Fahrzeug dieser Zeit war der TVR Sagaris, ein FIA-Rennwagen für die Straße. Im Spitzenjahr 1998 baute TVR als zweitgrößte unabhängige Sportwagenmarke hinter Porsche 1.688 Fahrzeuge.

2004 trat Nikolay Smolenski, ein 24 Jahre alter Russe, die Nachfolge von Wheeler an. Trotz vielen Versprechungen, eine britische Firma zu bleiben, kam TVR wiederum in finanzielle Schwierigkeiten und wurde schließlich 2006 an neue amerikanische Eigner verkauft, rund 300 TVR-Mitarbeiter wurden entlassen, die Produktion stillgelegt.


Dieser Artikel ist am 28. November 2010 auf zwischengas.com erschienen.
Text: Bruno von Rotz
Fotos: Bruno von Rotz (2) – Balz Schreier (1) – Archiv (4)

error: Kopiergeschützter Inhalt !!