Der TVR Cerbera


Der¬†TVR Cerbera ‚Äď Zerberus ist das ‚Äödreik√∂pfige Ungeheuer‚Äė (‚Ķ das in der griechischen Mythologie den Eingang zur Unterwelt bewacht)

Der erste TVR mit drei Neuerungen in der Firmengeschichte:

  • Das erste Hardtop-Coup√© ‚Äď Griffith und Chimaera waren Cabriolets
  • Der erste 2+2-Sportwagen ‚Äď fr√ľhere TVR-Produkte waren ausschlie√ülich Zweisitzer
  • Der erste TVR mit eigenentwickelten Motor ‚Äď fr√ľhere TVRs hatten Motoren von MG, Rover, Triumph oder Ford.
    Dank f√ľnfj√§hriger Entwicklungszeit und zwei Jahren voller intensiver Tests auf der Rennstrecke hat der
    ‚ÄěSpeed Eight‚Äú-Motor die h√∂chste Leistung und das h√∂chste Drehmoment bei geringstem Eigengewicht von allen
    Saugmotoren, die je f√ľr ein Stra√üenfahrzeug gebaut wurden.

Die Motoren

Vor Auflage des Cerbera hatte TVR V8-Motoren von Rover zugekauft und dann f√ľr eigene Zwecke getunt. Als Rover von BMW aufgekauft wurde, wollte Peter Wheeler keine Probleme f√ľr den Fall riskieren, dass die Deutschen die Fertigung dieses Motors einstellen w√ľrden. Daher beauftragte er Renningenieur Al Melling mit der Konstruktion eines V8-Triebwerks, das TVR selbst herstellten konnte und evtl. anderen Automobilherstellern sogar zum Kauf anbieten konnte. In einem Interview im BBC-Programm Top Gear erkl√§rte Wheeler: ‚ÄěUrspr√ľnglich haben wir den Motor als Renntriebwerk entworfen. Damals war es meine Idee, dass wir, wenn wir expandieren wollten, etwas brauchten, was wir anderen Leuten verkaufen k√∂nnten. So kamen wir schlie√ülich zu einem 75¬į-V8-Motor mit einer flachen Kurbelwelle („flat plane“). Der Grundmotor entspricht genau dem, was man heute bei einem Formel 1-Motor sieht.‚Äú

Wheeler wird mit der √Ąu√üerung aus der Zeit der Vorstellung dieses Autos zitiert, dass die Kombination von geringem Gewicht und hoher Motorleistung zu viel f√ľr ein Stra√üenfahrzeug sei, eine Einsch√§tzung, die ihm viel kostenlose Publicity in der Presse sicherte. Enthusiasten streiten noch dar√ľber, ob dies ein typisches Beispiel f√ľr Wheelers legend√§re Freiz√ľgigkeit oder ein ebenso typisches Beispiel f√ľr die Idee von PR-Chef Ben Samuelson, Werbekosten zu sparen, indem er eine Geschichte lancierte.

Das Ergebnis wurde Speed Eight (offizielle Bezeichnung: AJP8, nach Al Melling, John Ravenscroft und Peter Wheeler) genannt, ein 4,2 l-V8, der 360 bhp (265 kW) lieferte. Es gab später auch eine größere Version dieses Motors mit 4,5 l Hubraum und einer Leistung von 420 bhp (309 kW). Diese größere Version war auch mit einer Kurbelwelle aus Stahl versehen, die stabiler und zuverlässiger ausfiel. Der kleinere Motor verhalf dem Cerbera immer noch zu einer Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h.

Der AJP8 hat eine der gr√∂√üten Literleistungen eines V8-Saugmotors in der gesamten Autowelt, 83,3¬†bhp/l als 4,2 l-V8 und 93,3¬†bhp/l als 4,5¬†l-V8. Sp√§tere Modelle des 4,5¬†l-Motors waren in Red-Rose-Spezifikation verf√ľgbar, die die Leistung auf 440¬†bhp (324¬†kW) steigerte, was einer Literleistung von 97,7¬†bhp/l entsprach. Voraussetzung war die Versorgung des Motors mit¬†Super bleifrei-Benzin und die Bet√§tigung eines nicht bezeichneten Knopfes am Armaturenbrett durch den Fahrer, der die Motorcharakteristik entsprechend einstellte.

In einigen Fällen leisteten die V8-Motoren (insbesondere der 4,5 l) tatsächlich weniger als von TVR angegeben. Einige davon wurden irgendwie modifiziert (ECU, Ansaugsystem, Auspuffsystem), um die tatsächlich abgegebene Leistung der vom Werk angegebenen wieder anzunähern.

Eine besondere Anziehung √ľbte die Eigenschaft der V8-Cerberas auf viele K√§ufer aus, laute Fehlz√ľndungen zu produzieren, √ľblicherweise, wenn man das Gas wegnahm, und teilweise auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Diese Eigenschaft war ein Diskussionspunkt im Werk zwischen der Gesch√§ftsleitung und den Motorenentwicklern. Die Ingenieure wollten die Motoren so einstellen, dass die Fehlz√ľndungen vermieden wurden, um den Benzinverbrauch und die CO2-Emissionen zu vermindern, w√§hrend die Gesch√§ftsleitung darauf bestand, dass die Fehlz√ľndungen genau das waren, was die Kunden w√ľnschten. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss, bei dem nur der 4,5¬†l-Motor seine aggressive Einstellung behielt.

Der Motor baut auch sehr kompakt f√ľr einen V8. Laut TVR wiegt der betriebsfertige Motor nur 121¬†kg und erzielt die h√∂chste Leistung und das h√∂chste Drehmoment bei geringstem Eigengewicht von allen¬†Saugmotoren, die je f√ľr ein Stra√üenfahrzeug gebaut wurden.

Nachdem Peter Wheeler den Erfolg des Speed-Eight-Motors gesehen hatte, ließ er auch einen Speed Six-Motor als Ergänzung konstruieren. Auch dieser Motor wurde zuerst im Cerbera eingesetzt. Anders als der Speed Eight ist der Speed Six ein Reihensechszylinder mit 4,0 l Hubraum. Er unterscheidet sich vom V8 auch durch seine vier Ventile pro Zylinder.

4,2 l-Modell (ab 1996)

  • Motorentyp: V8 SOHC
  • Hubraum: 4185 ccm
  • Leistung: 265¬†kW (360¬†PS)
  • Drehmoment: 434 Nm bei 4500 min‚ąí1
  • Roter Drehzahlbereich: ab 7000 min‚ąí1
  • Beschleunigung, 0‚Äď100¬†km/h: 4,2 s
  • H√∂chstgeschwindigkeit: 296¬†km/h

4,5 l-Modell (ab 1999)

  • Motorentyp: V8 SOHC
  • Hubraum: 4475 ccm
  • Leistung: 309¬†kW (420¬†PS)
  • Drehmoment: 515 Nm bei 4500 min‚ąí1
  • Roter Drehzahlbereich: ab 7000 min‚ąí1
  • Beschleunigung, 0‚Äď100¬†km/h: 3,9 s
  • H√∂chstgeschwindigkeit: 312¬†km/h

4,0 l-Speed 6-Modell (ab 1999)

  • Motorentyp: R6 DOHC
  • Hubraum: 3996 ccm
  • Leistung: 285¬†kW (360¬†PS)
  • Drehmoment: 420 Nm bei 5250 min‚ąí1
  • Roter Drehzahlbereich: ab 7000 min‚ąí1
  • Beschleunigung, 0‚Äď100¬†km/h: 4,3 s
  • H√∂chstgeschwindigkeit:¬†298¬†km/h

Das Konzept

Der Wagen wurde von Anfang an als Viersitzer konzipiert. Die R√ľcksitze sind kleiner als die Vordersitze, was man √ľblicherweise als 2+2 bezeichnet. Jedoch ist der Innenraum ist so ausgelegt, dass der Beifahrersitz weiter nach vorn geschoben werden kann als der Fahrersitz. Das verschafft dem R√ľcksitzpassagier, der hinter dem Beifahrer sitzt, mehr Beinfreiheit als dem, der hinter dem Fahrer sitzt. TVR nennt dies 3+1-Konstruktion.

TVR pflegte die Tradition im Bau von Autos, die nicht nur besonders stark waren, sondern auch sehr leicht f√ľr ihre Gr√∂√üe und ihre Fahrleistungen. Das Gewicht des Cerbera wird vom Werk mit 1.100¬†kg angegeben, aber die Kunden meinen, dass das tats√§chliche Gewicht zwischen 1.060¬†kg und 1.200¬†kg liegt.

Das Armaturenbrett wurde extra f√ľr den Cerbera entworfen und hat, anders als die anderen mit Dreispeichenlenkrad ausger√ľsteten Schwestermodelle, ein Zweispeichenlenkrad. Der Grund hierf√ľr ist, dass die kleineren Instrumente in eine kleine Konsole unterhalb des Lenkrades eingebaut sind, und eine dritte Speiche w√ľrde das Ablesen erschweren.

Wie alle TVR der Peter-Wheeler-√Ąra hat auch der Cerbera einen langen Pedalweg f√ľr das Gaspedal, um das Fehlen einer elektronischen Traktionskontrolle auszugleichen, und eine sehr direkte Lenkung. Die Wagen mit V8-Motoren haben zwei volle Lenkradumdrehungen von Linkseinschlag zu Rechtseinschlag, die Speed-Six-Wagen, 2,4 Umdrehungen. Dies macht es f√ľr erfahrene Fahrer leichter, die Herrschaft √ľber das Fahrzeug zu behalten oder wiederzugewinnen, wenn es ausgebrochen ist, aber einige weniger erfahrene Lenker beklagen, dass dies das Auto nerv√∂s macht, weil es st√§rker auf Lenkbewegungen reagiert, als man sich das sonst w√ľnschen w√ľrde.

2000 √§nderte TVR das Design der Autos leicht, indem sie die Scheinwerfer denen des Tuscan √§hnlicher gestaltete. Dieses Facelift war f√ľr alle drei Motorisierungen erh√§ltlich. Zus√§tzlich wurden die mit 4,5¬†l-Maschine ausger√ľsteten Autos auf Wunsch mit einem Gewichtssenkungspaket angeboten, was sie insgesamt 40¬†kg leichter machte. Dies wurde durch leichtere Karosserieteile und ein leicht √ľberarbeitetes Interieur erreicht.

Die Zuverl√§ssigkeit war immer ein Problem beim Cerbera, genauso wie bei einigen anderen modernen TVR. Die mechanischen Komponenten waren, wie man von Besitzern h√∂rt, weniger ein Problem als die elektrischen, was aber nichtsdestoweniger l√§stig war. Dennoch beherrschten die immensen Fahrleistungen des Autos meist die Zeitungs√ľberschriften. Nach einem enthusiastischen Testbericht in der BBC-Sendung ‚ÄôTop Gear‚Äô und einigen Zeitungsartikeln, die das Fahrzeug als ‚ÄěPorschekiller‚Äú beschrieben, stieg seine Popularit√§t (und Bekanntheit).

Produktionszeit: 1996 bis 2003

Produktion 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004
St√ľckzahl 2 195 419 326 217 125 94 69 34 9

St√ľckzahl: 1490 (gesamt)


Text: wikipedia.de / Bilder: shmooautomotive.co.uk