Alpenpass-Fahrt die Zweite. Mit dem V8S im Mai 2016

Alpenpass-Fahrt die Zweite. Mit dem V8S im Mai 2016.

Warum noch einmal eine Alpenpass-Fahrt mit dem V8S?
Wir hatten doch bereits im September 2010 eine Ă€hnliche Fahrt gemacht (siehe „TVR info“ November 2010).

Nun, erstens wurden damals die Alpen im mittleren und westlichen Teil bezwungen (Schweiz Italien und Frankreich) und dieses Mal sollte der östliche Teil (Österreich) und der sĂŒdliche Teil (Tirol) sowie nördliche Teil der Schweiz erobert werden. Zweitens war mir daran gelegen, die StĂ€tte meiner frĂŒheren Ski-AktivitĂ€t (bis 1963)  in Oberiberg im Kanton Schwyz nochmals aufzusuchen, was ich in 2010 verpasste hatte. Und drittens war von der Deutschen Bahn (DB) angekĂŒndigt worden, dass die letzte Autoreisezug-Verbindung zwischen Hamburg-Altona und MĂŒnchen bzw. Lörrach im Oktober 2016 eingestellt werden sollte. Also sagten sich Wolfgang und ich: Diese letzte Chance wollen wir nochmals nutzen. Wolfgang, der mit mir schon die erste Alpenfahrt bestritten hatte, war rechtzeitig wieder aus Australien angereist.

Der Plan: Wien sollte unser östlicher Ausgangspunkt sein und Lörrach unser westliches Ziel fĂŒr den DB- Autoreisezug zurĂŒck nach Hamburg. Gott sei Dank hatte ich zum Bestellen der Tickets das ReisebĂŒro in Hamburg-Altona (Pkw-Ladestation) aufgesucht. Nur hier bekam ich die Information, dass ebenfalls die Österreicher einen Autoreisezug betreiben, nĂ€mlich zwischen Hamburg-Altona und Wien. Na, das passte ja wie die Faust aufs Auge. Außerdem waren die Österreicher billiger, als die Deutsche Bahn. Die Abreise wurde auf Montag, den 16.05.16 festgelegt.

Zur StreckenfĂŒhrung wurde wieder das Buch „Die schönsten PĂ€sse und Höhenstraßen der Alpen“ herangezogen. So standen in unserem Pflichtenheft die Großklockner-Hochalpenstraße, die Dolomiten, Marmolada, Bernina-Gruppe, Ortler-Gruppe, Silvaplana, Bernina-Gruppe (St. Moritz),  und vieles mehr. Und so haben wir versucht, eine spektakulĂ€re Pass- und Höhenstraße  hinter die andere zu reihen und kamen in etwa auf 27 Pass- und Höhenstraßen.

Das Gesamtgewicht fĂŒr den V8S war mal wieder am Anschlag, da wir wie 2010 wieder 2 Zelte nebst Überzelt, SchlafsĂ€cke, Luftmatratzen, Tisch und StĂŒhle und was man sonst so braucht zum Zelten, mitgenommen hatten. Vollkommen ĂŒberflĂŒssig; denn wir haben kein einziges Mal die Zelte nutzen mĂŒssen.

Kartenmaterial von der ersten Alpenfahrt und Navi waren selbstverstĂ€ndlich an Bord. Und in weiser Voraussicht hatten wir dieses Mal sowohl IPhone als auch Laptop mitgenommen. Somit waren wir Wetter-mĂ€ĂŸig informiert und konnten Anmeldungen fĂŒr die nĂ€chste Übernachtung tĂ€tigen. Daher entfiel auch die Zeltplatz-Alternative.

Ja und fĂŒr den V8S wurde 1Liter Öl gebunkert und fĂŒr die ca. 2.400 km lange Tour auch genutzt. Die Reifen waren so gut wie neu und damit meiner Meinung nach der Reserve-Reifen ĂŒberflĂŒssig, was den Stauraum erhöhte.

Lief alles nach Plan? Eigentlich schon! Als erstes waren wir richtig happy, als nach dem Pkw-Verladen in Hamburg-Altona außer uns niemand sonst in 6er-Abteil einen Platz beanspruchte. Das Ă€nderte sich, als am Hamburger Hauptbahnhof ein weiterer Gast hinzu kam und beim nĂ€chsten Halt in Hannover sogar noch ein  Ehepaar. Hier erkannten wir den Unterschied zwischen Deutscher und Österreichischer Bundesbahn: Die Deutschen setzen den reinen Autoreisezug ein, die Österreicher hĂ€ngen an ihren normalen fahrplanmĂ€ĂŸigen Reisezug nur noch die Waggons hinten dran, mit Pkw und Krad beladen.

In Wien am nĂ€chsten Morgen angekommen gabÂŽs eine ziemliche Verzögerung. Der Grund: 10 Schweizer PKWs blockierten den Bahnsteig bei der Entladung. Die Polizei betrieb Spurensuche, da alle 10 Fahrzeuge 5-TĂŒrer waren, deren Heckscheiben wĂ€hrend des Pkw-Transportes eingeschlagen und ihrer wertvollen GegenstĂ€nde beraubt waren. Von einem DB-LokfĂŒhrer erfuhr ich spĂ€ter, dass die DB mit ihrem ausschließlichen Autoreisezug stets unterschiedliche Strecken wĂ€hlt, um diesem Übel zu entgehen.

Unser Zug hatte Gott sei Dank keine SchĂ€den zu verzeichnen. Und so ging es zĂŒgig aus Wien in sĂŒdlicher Richtung raus (nicht die schönste Seite von Wien) in Richtung „Steirisch-Niederösterreichische Kalkalpen“ zu unserer ersten Jugendherberge fĂŒr die Übernachtung.
 Jetzt stellte sich heraus, dass es doch nicht so gut war, es beim ADAC-Atlas von der ersten Alpentour zu belassen. Aufgrund der preiswerten GasthĂ€user in Österreich haben nahezu alle ehemaligen Jugendherbergen eine Umwandlung erfahren; entweder in Kinderheime oder in luxuriöse Hotels, waren aber noch in unserem Kartenmaterial als JH ausgewiesen.
In der Schweiz und Italien klappte es wieder mit den Jugendherbergen. Die sind sehr gut ausgestattet und z.T. sehr modern (Zweibett-Zimmer mit integrierter Nasszelle). Hinter Cortina d`Ampezo war um die Mittagszeit fĂŒrs erste einmal Schluss. Die Giro-Italia hatte uns ausgebremst, da die Rad-Rennstrecke direkt auf unserer Route lag. Fortan mussten wir den vielen Rad-Amateuren vermehrte Aufmerksamkeit widmen. Besonders in den Tunneln war es gefĂ€hrlich, da RennrĂ€der bekanntlich keine Beleuchtung haben.

Hinter Bozen sind wir zum Gardasee ausgewichen. Auf dem Weg nach St. Moritz war schlechtes Wetter vorher gesagt worden. Aber in Riva hat es uns dann doch erwischt: Es gab ein dermaßen extrem heftiges Unwetter mit orkanartigem Sturm, Blitz und Donner, dass alle nicht verankerten Teile außerhalb der HĂ€user in Sicherheit gebracht werden mussten, um nicht durch die Gegend gewirbelt zu werden. Wir selbst konnten uns gerade rechtzeitig in eine Eisdiele (mein Lieblingsaufenthaltsort) mit großer Auswahl flĂŒchten. Und zu unserem GlĂŒck handelte es sich bei den Besitzern um ein sehr nettes humorvolles Ă€lteres deutschsprechendes Ehepaar. Besser kann man einen Sturm nicht abreiten!

Wolfgangs euphorischer Vorschlag, am darauffolgenden Tag den Gardasee sĂŒdlich, am westlichen Ufer zu befahren, hat sich als grĂ¶ĂŸter Reinfall erwiesen; man fĂ€hrt fast ausschließlich durch Tunnel, durch die extrem viele Lastwagen donnern. Es ist auch nicht ganz ungefĂ€hrlich durch die stĂ€ndigen Hell-Dunkel-Wechsel (wir hatten natĂŒrlich wieder Sonnenschein) und die schwache Beleuchtung in den Tunneln selbst. Von den angedachten 27 PĂ€ssen und Höhenstraßen mussten wir nur die PĂ€sse Furka, Grimsel und Susten streichen, da sie im Mai noch nicht befahrbar waren.

Ansonsten? Alles paletti! Von den 14 Tagen, die wir unterwegs waren, hatten wir 12 Tage Sonnenschein, wĂ€hrend im Bayerischen Wald und anderen Regionen „Land unter“ war. Diese riesigen RegenfĂ€lle haben uns am letzten Tag unserer Reise jedoch den Vorteil verschafft, dass wir einen besonders intensiv-brausenden Rheinfall in Schaffhausen erleben durften. Im Allgemeinen muss man wohl sagen, dass der Monat Mai eigentlich zu frĂŒh fĂŒr eine Alpenpass-Fahrt ist, da die Gefahr besteht, wegen Schneefalls vor geschlossenen PĂ€ssen zu stehen. Auch das Internet wies bei unserer Abreise noch einige als geschlossen aus. Sie waren glĂŒcklicherweise bei unserer Ankunft dann doch offen; der Sölkpass in Österreich erst am Tage unserer geplanten Befahrung.  Das Risiko, dass wir mit unserer Mai-Fahrt eingegangen sind, hat uns auf der anderen Seite  mit schönstem Sonnenschein beschenkt und mit vielen grandiosen Fahrten entlang schneebedeckter Berggipfel, was man zu spĂ€terer Jahreszeit in dieser Pracht sonst nicht erleben kann.

Wir haben unheimlich nette Leute getroffen: Bei der 2. Übernachtung in Gröbming (Steiermark) wurde uns nach einigen Bierchen (verstĂ€rkt mit Haselnuss-Schnaps) eine SondervorfĂŒhrung mit Tuba und Ziehharmonika zuteil. Hinter dem Sölkpass machten wir (etwas abgelegen von der Strecke durch die SölktĂ€ler) einen Zwischenstopp in einer GaststĂ€tte nebst Fischteichen. Bewohnt und betrieben wurde diese StĂ€tte von einer ganz entzĂŒckenden alten Dame im Alter von 87 Jahren. Sie bewirtschaftete diese StĂ€tte ganz allein und ließ es sich nicht nehmen, uns einen Kaiserschmarren zu kredenzen, mit Bio-Eiern von ihrer Nachbarin und Preiselbeeren, die sie selbst gepflĂŒckt hatte. Wir waren ganz hingerissen von dieser netten Person, die geistig noch vollkommen auf der Höhe war.

Um nach Oberiberg zu gelangen, der StĂ€tte meiner jugendlichen Skilauf-Zeit, mussten wir querab vom VierwaldstĂ€tter See den Pass Ibergeregg ĂŒberwinden (obwohl nur 1406 m, nicht von schlechten Eltern und eines der anspruchsvollsten PĂ€sse auf unserer Tour). Im Nachhinein habe ich meinen alten Herrn bewundert, der diese Strecke 1960 mit unserem schwachbrĂŒstigem 56er VW KĂ€fer bewĂ€ltigt hatte ohne irgendwo anzuecken.
Im Winter 1963/64 war ich das letzte Mal in Oberiberg gewesen, habe aber nach so langer Zeit trotzdem die StĂ€tte meiner damaligen Bleibe wieder gefunden. So habe ich meinen V8S unterhalb der mir vertrauten SkihĂŒtte abgestellt und erst einmal ein Foto gemacht. Dies war der Ort, den ich mehrere Jahre in meiner Jugendzeit fĂŒr den Wintersport nutzen durfte.
Und, ich habe tatsĂ€chlich die Ă€lteren Freunde, die mir dieses Privileg damals ermöglicht hatten, wiedergesehen. Mein Herzenswunsch ist in ErfĂŒllung gegangen.

Wie hat sich der TVR verhalten? Wirklich Klasse !!!  Dass wir ein paar Mal aufgesetzt haben, das lag ja nur an dem hohen Gesamtgewicht und den ausgefahrenen Spurrillen auf unbefestigten Untergrund, den ich falsch eingeschÀtzt hatte.

Ein kleines Problemchen war die Fahrt zweimal durch Sintflut-artige RegenfĂ€lle. Da hat die Elektrik ihre EigenstĂ€ndigkeit bewiesen und hat es mal links blinken lassen oder auch einfach mal die Warnblink-Anlage aktiviert. Die automatische Verriegelung trat auch einmal in Kraft bei gestecktem AutoschlĂŒssel, als wir außerhalb des Wagens standen. WĂ€re nicht zufĂ€llig eine Scheibe vorher von mir runter gefahren worden, hĂ€tten wir außen Stehenden ein wenig blöd da gestanden, denn die Fernbedienung lag im Handschuhfach.
Ein bisschen Aufregung war noch, als es in Lörrach zum Einreihen auf die Rampe gehen sollte: Das gute StĂŒck wollte einfach nicht anspringen. Wahrscheinlich wollte uns „the Prince of darkness“ noch einmal zeigen, welche großen Geheimnisse in ihm noch schlummern können. Also sagte ich mir: „Mein lieber Lucas, dann bringen wir Dich erst einmal in die Grundstellung!“ Also, GepĂ€ck raus, Batterie abgeklemmt, Batterie wider angeklemmt, die Fernbedienung betĂ€tigt und ?  Er sprang wieder an!
Mit reinster Freude wurden Haarnadel-Kurven geschnippelt, wenn man sich ĂŒberzeugen konnte, dass einem nichts entgegen kam. Besonders hat der Bernina-Pass Freude bereitet. Hier konnte ich aufgrund des ĂŒbersichtlichen Kurvenverlaufes den Einheimischen zeigen, was in dem V8S so alles steckt. OK, oben angekommen hat es unter Haube ein wenig geknistert und die Temperatur-Anzeige war ein wenig höher, ebenfalls die die Temperatur der Reifen. Das warÂŽs dann aber auch. Übrigens hat der V8S auf der gesamten Strecke im Mittel nur 10,4 l Sprit auf 100 km verbraucht. Da kann man nun wirklich nicht meckern.

Tipps: In St. Moritz angekommen, hatten wir Strecke gut gemacht und ein ausreichendes Zeit-Polster fĂŒr EventualitĂ€ten angesammelt. So fragte ich den Chef der Hauses (der hieß frĂŒher Herbergsvater), ob es in der NĂ€he eventuell eine aktive Seilbahn zu einer attraktiven Aussicht gĂ€be? Er bestĂ€tigte, dass es das gĂ€be und zwar zum Bernina-Gletscher. Und nun kam der KnĂŒller: Wenn wir 2 NĂ€chte in der Jugendherberge verbringen, hĂ€tten wir die Seilbahn umsonst und könnten auch die RĂ€tische Alpenbahn nutzen, meinte er. Na, da haben wir natĂŒrlich eine zweite Übernachtung gebucht und haben so die Höhepunkte unserer Alpenfahrt aufs preiswerteste genießen können.

Beim Pass-Fahren hatte ich Wolfgang gebeten, die Strecke ins Navi einzugeben. So konnte ich die StreckenfĂŒhrung auf dem Display hervorgehoben verfolgen und konnte somit den Kurvenverlauf voraussehen, der auf einen zukam. Dementsprechend habe ich die maximal mögliche Geschwindigkeit mit entsprechender Gangwahl besser einschĂ€tzen können.

Ob nun Ende Oktober tatsĂ€chlich die Autoreisezug-Verbindung nach Wien, MĂŒnchen oder Lörrach  beendet ist, liegt noch in den Sternen. Die DB, so habe ich gehört, gibt die Strecken auf jeden Fall auf. Man hat nicht rechtzeitig in neue Wagons investiert, haben wir aus Insider-Kreisen erfahren.

Mathias Boschke

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